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Was bringt Hamburg in Bewegung?
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Was bringt Hamburg in Bewegung?
Forschen & VerstehenWas bringt Hamburg in Bewegung?
13. Oktober 2026, von Schumacher/Red.
Foto: UHH,RRZ/MCC,Mentz
Dr. Nils Schumacher
Die UHH ist wissenschaftliche Heimat von mehr als 6.200 Forschenden. Alle zwei Wochen geben wir in der Reihe „Forschen & Verstehen“ im Hamburger Abendblatt Einblick in ihre Arbeit. In dieser Folge erklärt Nils Schumacher, wie die Hansestadt noch aktiver gestaltet werden kann.
Wo bewegen sich Hamburgerinnen und Hamburger und wo nicht? Wer läuft zur U-Bahn, wer fährt Rad, wer sitzt den ganzen Tag? Und wie unterscheidet sich das je nach Stadtteil, Einkommen oder Schule? Diese Fragen treiben meine Forschung an. Denn ob Menschen sich bewegen, ist nicht nur eine Frage der persönlichen Motivation – es ist auch eine Frage des Umfelds, in dem sie leben.
Wir wissen in der Sportwissenschaft schon viel darüber, wie Bewegung wirkt – über Dosis, Art und Intensität, über den Nutzen in Prävention und die Gesundheitseffekte. Es gelingt uns bislang aber weniger gut, dieses Wissen so zu übersetzen, dass mehr Menschen nachhaltig in Bewegung kommen. Diese Lücke ist die zentrale Fragestellung meiner Forschung. Vor allem möchten mein Team und ich herausfinden, wie wir in einer Stadt bewegungsfreundliche Strukturen schaffen und fest verankern können. Denn Bewegungsmangel und die damit einhergehenden Folgen für die Gesundheit der Menschen sind ein drängendes Problem unseres Gesundheitssystems.
Alle zwei Jahre erscheint der Hamburger Bewegungsbericht
Unser Vorteil ist, dass Hamburg als „Active City“ zu den wenigen Regionen in Deutschland gehört, die in diesen Fragen konsequent auf Datenanalysen setzt. Es gibt eine ressortübergreifende „Active City“-Strategie, die für mehr Bewegung im täglichen Leben sorgen und die Hamburgerinnen und Hamburger gezielt aktivieren soll. Seit 2019 begleite ich die Strategie des Hamburger Senats an der Universität wissenschaftlich – seit 2023 mit meinem Team am „Science and Transfer Center Active City“.
Das heißt, wir erfragen unter anderem Bewegungsgewohnheiten und untersuchen, wo es Förderungs- und Verbesserungsbedarfe gibt. So wollen wir herausfinden, wieviel und wo Menschen sich bewegen und wie wir dafür sorgen können, dass unsere Stadt alle ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu mehr Bewegung einlädt. Gleichzeitig überprüfen wir die Wirksamkeit von Maßnahmen, damit erfolgreiche Projekte in nachhaltige Strukturen übertragen werden können. Diese Entwicklungen stellen wir alle zwei Jahre im Hamburger Bewegungsbericht vor.
Aktuell liegt einer unserer Schwerpunkte im Bereich der Bewegungsförderung von Kindern, konkret zum Beispiel auf der Frage, wie gut Kinder in Hamburg schwimmen können. In den Analysen, die wir im Rahmen des Bewegungsberichts durchgeführt haben, zeigt sich, dass nach der 4. Klasse immerhin 55 Prozent der Schulkinder mindestens das Bronze-Schwimmabzeichen haben. Diese Zahl liegt über dem bundesweiten Durchschnitt von 42 Prozent. Sie müsste aber noch deutlich höher sein.
Zudem haben wir bei der Auswertung der Daten festgestellt, dass Kinder aus Stadtteilen mit niedrigem Sozialindex vor dem Schulunterricht mehrheitlich keine Schwimmfähigkeiten haben und daher schlechtere Voraussetzungen für das Schulschwimmen mitbringen. 2022/23 brachten in Hamburg-Nord 30 und in Eimsbüttel 28 Prozent der Kinder Vorkenntnisse mit, in Hamburg-Mitte und Harburg waren es nur 13 bzw. 15 Prozent. Fehlende frühkindliche Schwimmkenntnisse bzw. Wassererfahrungen sind ein Nachteil, den der reguläre Schwimmunterricht oft nicht vollständig ausgleichen kann.
Wie kann Bewegungsberatung erfolgreich gelingen?
Darum haben wir aus diesen Erkenntnissen ein Projekt zur Elternaufklärung ins Leben gerufen: Ein von uns initiierter Bewegungsratgeber soll über Kinderärztinnen und -ärzte sowie Kitas an Eltern verteilt werden, um sie für die frühkindliche Förderung der Schwimmfähigkeit und für die Bewegungsförderung zu sensibilisieren. Er wird ihnen Maßnahmen und Tipps an die Hand geben, die auch zu Hause umgesetzt werden können. Zudem begleiten wir die Verteilung in den Einrichtungen, um zu verstehen, wie Bewegungsberatung erfolgreich gelingen kann.
Daran sieht man, wie komplex es ist, die Bewegungsförderung in einer Großstadt zu erforschen und nachhaltig strukturell zu verankern. Es müssen Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Bereichen involviert werden und wir arbeiten intensiv mit der Stadtgesellschaft zusammen. Während eine naturwissenschaftlich geprägte Sportwissenschaft kontrollierte Studien möglichst unter Laborbedingungen vorsieht, brauchen wir andere Ansätze und ein tiefes Verständnis für andere Professionen und Sektoren. Das ist herausfordernd – und unheimlich spannend zugleich.
Wir sind daher sehr froh, dass es in Hamburg so gute Voraussetzungen und Offenheit für unsere Forschung gibt. Denn wenn es uns gelingt, unsere Erkenntnisse in neue, gut anwendbare Methoden zu überführen, wird von unseren Projekten nicht nur Hamburg profitieren, sondern auch die Bewegungs- und Gesundheitsförderung in anderen Städten und Regionen sowie natürlich die gesamte Forschung in diesem Feld.
Zur Person
Dr. Nils Schumacher hat an der Universität Hamburg Bewegungswissenschaft studiert und zur Wahrnehmung und kognitiven Fähigkeiten im Nachwuchsleistungsfußball promoviert. Seit 2016 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Psychologie und Bewegungswissenschaft und leitet seit 2023 das „Science and Transfer Center Active City“.
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